RTF: Tiefkühlkost zwischen Inn und Rott

Radwirrwar im Bus
Die RTF der Ritzlfuchser Simbach-Marktl war bereits letzten Sonntag, aber ich finde leider erst heute Zeit und Muße mal etwas darüber zu schreiben.

Ich war letzte Woche noch teilberuflich in Köln, kehrte am Samstag Abend zurück und dann stand fest: Wecker auf 5 Uhr stellen und um 6 Uhr ging es mit meinen Radlfreunden ab nach Simbach. Das sind von uns aus so ca. 70km per Auto und Lenzi hatte sich bereit erklärt, seinen umgerüsteten Werkstattbus zur Verfügung zu stellen.

Also pfiff ich mir am Abend noch ein gutes Pfund Nudeln rein und kam vor lauter Nervösität erst gegen 1 Uhr ins Bett. Schließlich wollte – oder besser sollte – ich das erste Mal über 150 Kilometer fahren. So weit und lange habe ich noch nie im Sattel eines Rennrades verbracht – aber irgendwann ist ja immer das erste Mal. Ich fluchte daher nicht schlecht, als der Wecker funktionierte und tatsächlich um 5 Uhr ansprang. Drecksding!

Der erste Blick auf’s Außenthermometer verdarb mir direkt jede Lust und dazu noch jeden Appetit: 5 Grad hatten wir dann doch und der Wetterbericht ließ auch nicht auf mehr als 9-11 Grad hoffen. Regnen sollte es auch noch. Na Prima! Dann stand meiner 150 km Premiere ja nichts mehr im Wege. Aber kneifen war nicht – ich hätte über Monate in der Nachbarschaft nur Spott und Häme geerntet … also die paar warmen Radklamotten angezogen die ich habe und durch.

Lenzi traf dann auch pünktlich um 6 Uhr ein und wir legten los. Unsere Senioren beeindruckten mich durch ihre kurze Hosen und da meine lange Radler vom Aldi auch eher schlecht denn recht saß, entschied ich mich auch noch für beinfrei. Nachdem wir 30 km hinter uns hatten fiel unserem Cheffahrer Lenzi ein, dass er seine Radschuhe vergessen hatte ;) Also mit Vollgas zurück und die erste Bierrunde nach der Tour war gesichert. Dankö!

Um 7:20 Uhr kamen wir dann in Simbach an, das übrigens direkt an der Grenze zu Österreich liegt. Start war “offiziell” um 7:45 Uhr – also waren wir noch voll in der Zeit. Kaum aus dem Bus ausgestiegen merkten wir direkt: In Simbach war es nicht wärmer als in Armstorf! Ne war das kalt!

Die Organisation war schon in vollem Gange, die Anzahl der Teilnehmer aber Dank des Wetters überschaubar. Später erfuhren wir dass es 340 Teilnehmer waren – und eher die Hartgesottenen. Der Anteil der Marathonfahrer war sehr groß.
Wir zogen uns also an was wir hatten und traten in die Pedale. Die Streckenführung überraschte in den ersten Kilometern mit einem Schotter-/ Waldweg für ein paar hundert Meter. Nach 10 bis 15 Kilometern stellte sich auch die erste Wärme in Händen und Füßen ein – vorher war alles nur kalt.

Wir fuhren gut in Kolonne und die Strecke blieb auf den ersten 40 Kilometern fast ausschließlich eben, so dass wir einen Schnitt von über 30 km/h halten konnten. Der erste kleine Anstieg wurde auch direkt mit der ersten Verpflegungsstation nach 45 Kilometern belohnt. Kurz vorher trafen wir zum ersten Mal auf zwei Radfreunde vom Team Baier aus Landshut. Die beiden Jungs fuhren auf der Graden in etwa unser Tempo und so reihten wir sie ein. Im Berg muss ich allerdings sagen, dass ich dafür sorgte dass wir den Anschluss stets verloren. Das läuft einfach noch nicht zu gut bei mir und meine drei Freunde warteten oben immer nett. Unsere Team-Baiers holten wir dann später aber stets wieder ein, so dass wir den Großteil der Strecke mehr oder weniger mit ihnen zusammen zurücklegten.

Zwischen Kilometer 50 und 120 wurde es – zumindest für mich – etwas beschwerlich. Auch wenn auf der Gesamtstrecke nur knapp 800 Höhenmeter zurückzulegen waren, knubbelten sich davon sicherlich 600 Meter in diesem Abschnitt und es ging immer 300 bis 500 Meter bergauf, dann wieder bergab, wieder bergauf und so weiter und so weiter. Außerdem besuchte mich in dem Abschnitt der Hammermann. Ausdauersportler werden wissen was ich damit meine ;)

Die Streckenführung für den Radmarathon mit 202 Kilometer war mit unserer bis ca. 10 Kilometer vor dem Ziel identisch. Diesem Umstand war es dann wohl zu verdanken, dass es bei Kilometer 125 noch eine Verpflegungsstation gab. Für mich war das Gold wert – vor allem da ich nicht damit gerechnet hatte. Geistig war ich drauf vorbereitet nach der letzten Station bei Kilometer 100 bis zum Ende im Sattel zu bleiben. Das wäre aber ehrlich gesagt bitter geworden glaub ich.

An dieser letzten Station erfuhren wir von Ortskundigen, dass die letzten 30 Kilometer fast ausschließlich eben sind oder gar bergab führten. Unsere beiden sportlichen Begleiter vom Team Baier erfuhren aber auch bestürzt, dass wir “nur” die kleine Runde drehten. Sie hatten für die letzten 50 Kilometer schon fest mit unserer Begleitung gerechnet da diese zwar auch eben sein sollten, aber einen durchgängig mit starkem Gegenwind beglücken. Zugegeben: Es hat uns schon geschmeichelt dass wir den Eindruck vermittelten, die 202 Kilometer fahren zu können ;) So aber mussten wir uns knappe 10 Kilometer vor dem Ziel von Ihnen verabschieden. Kurz danach fing es dann auch wie schon vorhergesagt leicht an zu regnen.

Die letzte Etappe war dann auch wie versprochen sehr flach, so dass wir einen Schnitt von gut 34 km/h fahren konnten – auch wenn mich das an meine Grenzen trieb. Ich ging davon aus, dass die Strecke ziemlich genau 151 Kilometer lang ist. Da mein Tacho auf langen Strecken gut 2-3 Kilometer nachgeht, rechnete ich mir aus so bei Kilometer 147 bis 149 auf meinem Tacho im Ziel zu sein. Darauf richtete ich mich aus und investierte die letzten Reserven. Es waren dann aber doch auch nach meinem Tacho über 155 Kilometer. Für den Kopf war das Horror – aber es ging. Als wie wieder auf bekannte Straßen kamen machte es eh “Klick” im Kopf und es lief.

Nach 5 Stunden und 31 Minuten netto (mit drehenden Rädern) erreichten wir das Ziel. Ich war fertig wie selten – aber auch glücklich wie selten ;)

Die Organisation war in meinen Augen super. Nur einen kleinen Vorschlag hätten wir: Die Streckenschilder könnten etwas mehr in Signalfarben haben. Die Schilder waren leicht gelb mit schwarzer Schrift. Auf einer Hauswand oder einem anderen Schild waren sie manchmal schwer zu erkennen. Ein leuchtendes rot oder grün wäre sicherlich einfacher zu erkennen gewesen. Gerade auf den letzten 20 Kilometern, wenn die Konzentration eh schon schwer fällt haben wir uns so ein paar Mal leicht verfahren.

Der Vereinsschef verkündete am Ende, dass es noch nicht sicher so ob die RTF in 2009 wieder stattfindet. Die Ritzlfuchser hatten wohl bereits in 2007 Pech mit dem Wetter und damit auch mit dem Starterfeld. Ich kann nur hoffen, dass sie sich 2009 wieder für eine RTF entscheiden und dann von guten Wetter und einer Unmenge von Startern überrascht werden :D

Denn dann – so haben wir uns vorgenommen – lassen wir unsere Team Baiers nicht im Stich und fahren mit Ihnen die 202 Kilometer!

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